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FÜR D.

 

O du, der du am vollen Becher sitzest

und nicht trinkst,

O, auf wen wartest du noch?

1ptrans.gif (44 Byte)(Hermann Hesse)

 

I

 

Sag mir deinen Namen

1ptrans.gif (44 Byte)oder

1ptrans.gif (44 Byte)besser

1ptrans.gif (44 Byte)sag in mir nicht!

 

 

II

Unter gleißendem Himmel kreißt ein Sehnen

buntflackernde Bilder

1ptrans.gif (44 Byte)Raubmund

Reißt von den Lippen mir zärtlich den Atem

Springt aus coolem Begehren, dem Meer

halberfrorener Ängste

Die spärlich verhüllt von Dämmerrausch

1ptrans.gif (44 Byte)Raubmund

1ptrans.gif (44 Byte)Leuchtendes Sein

1ptrans.gif (44 Byte)Vergessen versinken

Dröhnen im Kopf, Brust will zerspringen

Im Augennetz zappeln ruchlose Küsse, dein Lachen

Fängt Sinne, Herz und Verstand zu entfliehen mißlingt

Leis neigt die Stirn sich, sanfte Berührung der Haut

Dann des Adagios treffender Witz

1ptrans.gif (44 Byte)Ich schlafe nicht gleich mit jemandem

Verblüffung - Denken - a

Ein Lächeln erblüht

Du bist

1ptrans.gif (44 Byte)früher ja, früher

1ptrans.gif (44 Byte)Ich muß gehen

 

III

 

 

Die Spannung sinkt erschöpft in lösenden Schlaf

Und wieder in deinen Händen das Lachen

Der Blick unterm sichernden a

1ptrans.gif (44 Byte)Ich schlafe nicht gleich mit jemandem

Die Worte streicheln schamlos, schmiegen sich ohne Scheu

Bedecken wie Seim den bebenden Leib

Weiß fließender Kiesel

1ptrans.gif (44 Byte)Haut

Welch ein Wort für diesen Rausch, für diese Welten

Inferno im winzigen Punkt der Tangente

1ptrans.gif (44 Byte)O Gott, so ein Sein

 

 

 

"Der Traum ist schöner als der Tag gedacht"

1ptrans.gif (44 Byte)Ich muß jetzt gehen

1ptrans.gif (44 Byte)(Geht ab Vorhang fällt Applaus)

 

IV

 

 

Sag mir deinen Namen

1ptrans.gif (44 Byte)oder

1ptrans.gif (44 Byte)besser

1ptrans.gif (44 Byte)sag in mir nicht!

 

 

 

 

ZEHNTER APRIL

 

So trafst du sie, Saphi, so zwischen Welten,

in ihrem Antlitz trug sie - hellblau - einen reinen Tag,

der leuchtete im Nebel blasser Stimmen.

Bisweilen trat ein Lächeln - der Morgenstern - auf ihre Stirn,

er blühte auf im längst verschwundenen, der Brauen klarem Rund

und glühte sanft im milden Garten ihrer Augen.

Der Rinderschädel ewiges, der Hörner eng Gefüg verließ sie,

tanzt sorglos nun im Leben - ein Kind - zwischen Donner und Blitz

das erregende Spiel: Ich suche den Menschen!

Köpfe umschwirren, Brillanten, schillernd mit Flügeln,

Torsen und Glieder pentelischen Marmors begehrlich ihr Licht.

Nicht Körper, nicht Hirne: Ich suche den Menschen!

Inmitten der Lippen - versteckt - und zwischen den Brüsten,

im Raum ihrer Gesten, der Luft ihres Atems - Still -

fühlst du sie - unfaßbar -

Stumm ist ihr Mund, kirschgrün ihr Blick und braun.

"Im Dunkel zu sehen will Zeit!"

Das Dämmer ist voll süßer Bilder

und reich an Träumen die Nacht!

 

 

 

 

DAS LICHT

 

I

Am Anfang merkte man nichts,

auch seine Freunde nicht;

er war vielleicht ein wenig fröhlicher als sonst,

und öfter ging er weg.

So wußten sie's auch nicht zu deuten,

als er sich - ein Hund - zurückzog, wie nach Prügeln.

Auch daß sein Blick sich immer häufiger senkte,

und diesen seltsamen Glanz seiner Augen merkten sie nicht.

Sie wunderten sich nur, wenn er, allein sich wähnend,

laut sprach, als wär da jemand;

daß seine Schultern krampfhaft zuckten,

so, als ginge durch seinen Körper ein leises Schluchzen.

Später dann, er aß fast nichts mehr, seine Wangen wurden

hohl und bleich und bleicher seine Lippen,

fingen sie an sich Sorgen zu machen

und nahmen wahr und sahen, daß er siechte.

 

 

II

Mein Herz, was klopfst du so laut was ist dir?

Deine Arme fliehen nach Norden immer,

wo die Reinheit wohnt, der Schauer kalter Winde und........

Was lallst du die langen Stunden

und seufzst so schmerzlich in der Nacht?

Ist es ein Name, ist's ein Wunder, das du stammelst?

Der Tag ist schwarz dir, einer wie der andere;

bisweilen glühen Blitze auf, dann leuchten deine Augen,

der salzige Vorhang reißt für einen Blick.

 

III

Und er veränderte sich schnell.

Zum Verfall seiner Lippen gesellten sich Momente,

da zitterte das Haus vom klagenden Schrei.

Sein Blick wurde irre und wirr.

Als er zum ersten Mal sein Hemd zerriß,

sprachen sie mit ihm und er mit ihnen.

Ganz normal, vom Ausbau ihres Hauses und von Urlaub

sprachen sie, von Menschen und Bitterkeiten.

 

 

Für eine kurze Zeit ging er dem täglichen,

dem lauten Leben nach, verdiente Geld wie andere auch,

bis sie ihn, eines Morgens, mit offner Brust und

blutiger Stirn in seinem Zimmer fanden - er lächelte noch.

Der Arzt sprach Epilepsie, Schizophrenie,

von Gefährdung, Aufsicht und Medikation,

so daß sie in ein Heim ihn brachten - zur Beobachtung -

Dort pflegte man, im Norden und redete sanft mit ihm.

 

 

IV

Für einen Augenblick das Fenster, vergittert im grauen

Mauerring; drinnen im Garten blüh'n Blumen

und Melodien süß, berauschend, erotisch berühren sein Ohr.

Oh Garten der Liebe, der Lüste!

Wo hast du dein Tor, wo deine Tür? Will kühlen die Wunden

und lindern die Glut 1ptrans.gif (44 Byte)- mein Herz verbrennt!

Was rennst du sinnlos den Stein entlang, versuchst zu

erstürmen, erlisten, das Paradies zu erbrechen?

Rötest die Erde aus deiner Brust. Dein Schrei erreicht

1ptrans.gif (44 Byte)Jericho nicht!

 

 

V

Er wurde mild und weich.

Meist träumte er still vor sich hin, manchmal huschte

ein Lächeln - gazellengleich - durch seine Augen,

verlor sich im Blick des betreuenden Mädchens.

 

Er schien glücklich zu sein.

Aß wie ein Kind die gereichten Speisen und trank

aus der Schnabeltasse was man ihm gab.

Selten ,wenn er allein war, weinte er.

Als die Betreuerin wechselte, (sie lernte weiter an anderem Ort),

erlosch der Funke, der ihn hielt.

Sie vergruben ihn unterm Dornbusch, sie sahen nichts.

Seine Freunde sagten: "Ein schöner Tod!"

 

 

VI

Hast du sie endlich gefunden, mein Herz!

Bist du nun endlich bei ihr! Ihr Atem ist warm,

wenn sie sich beugt und weich ihre Hand über dir.

Sie gibt zu trinken und füttert dich.

Sei folgsam und bestürm sie nicht

mit deinen Träumen, Wünschen!

 

Sie ist dir nah, so viele Stunden. Sie kommt,

wenn du läutest. Sie fragt:

"Wie geht es dir heut?" Sie streichelt so maßlos zärtlich dein Haar.

 

Sie ist "Saphi"! Zerbrich sie nicht!

 

 

 

 

GRAU UND FREUDLOS

 

Grau und freudlos schleppt sich Tag um Tag dahin.

Keine Sonne, keine Sonne - nicht ein Himmel.

Es ist dunkel geworden.

Leergefegt die Augenhöhlen, vertrocknet die Brust.

Ein leises Brennen, da, wo das Herz säße -

In meine Eingeweide, in meine Knochen

kriecht die Angst, daß du nicht kommst.

Du wirst mich nicht missen, nicht nach mir fragen,

wirst nicht an meine Türe klopfen.

Es wird nichts sein - einfach nichts,

nur Nacht - kein Wort, kein Ton.

Es schlug gerade zehn, Saphi!

Vorm geöffneten Fenster schüttelt sich ein Hund.

 

 

 

 

FOLTER

 

Wieder einmal haben sie,

einmal mehr die Brustschraube angesetzt

und drehen an der Spindel.

Der Atem zerbricht. Irgendwann wird er kommen,

irgendwann - der Inquisitor.

Ich werde ihm nichts sagen, sage ihm nichts.

Und wenn sie den Ring glühend machen,

und wenn sie einen zweiten winden

mir um die Stirn,

werde ich sie nicht verraten.

Denn sie können mir nichts mehr nehmen.

Nicht das Licht - ich bin voll Schwärze.

Nicht den Gesang der Vögel - er ist lange verstummt.

Nicht die Zartheit der Finger - was sollten sie tasten.

Nicht der Brüste Duft - sie sind verwelkt.

Nicht der Zunge Bitterkeit - vor Zeiten verdorrt.

Nicht des Gedankens Höhenflug - er liegt im Staub.

Ich werde sie nicht verraten,

bis mein Schrei die Himmel zerreißt:

"Heut ist ein schöner Tag zu krepieren!"

Dann stirbt als letztes -1ptrans.gif (44 Byte) meine Liebe