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Gepriesen Sei

 

IV

NUR EINE einzige Schwalbe
Daß wieder Sonne zurückkehrt
Daß Sonnenräder sich drehen
Die Lebenden sind notwendig

Mein Gott, Baumeister der Welt
Mein Gott, Baumeister der Welt

Geholt von Magiern und Weisen
Das Grab, wohin sie ihn senkten
In einen grundlosen Brunnen
Wohlgeruch strömte ins Dunkel

Mein Gott, Baumeister der Welt
Mein Gott, Baumeister der Welt

Da rührte sich wie der Same
Insekt, das furchtbar erwachte
Wie eine Spinne sich einsticht
Es spiegelten alle Gestade

Mein Gott, Baumeister der Welt
Mein Gott, Baumeister der Welt

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der Frühling, er kostet viel
viel Müh verströmen will
ist nötig der Toten Flur
die geben ihr Opferblut

du hast mich auf Berge gegründet
der Tiefe des Meeres verbündet!

der Körper des frühen Mai
im offenen Meer und frei
versenkten sie einen Leib
aus abgrundtiefem Verbleib.

du brachtest im Osterflieder
die Auferstehung hernieder!

im Leib, der finster und groß
GEDÄCHTNIS im Erdenschoß
so stach das Licht ringsumher
es glänzte das ganze Meer.

du hast mich mit Küsten umgürtet
den Bergen mich aufgebürdet!

VI

UNVORSTELLBARE Sonne der Gerechtigkeit
niemals vergeßt, bitt ich euch

Adlergestaltig die hohen Berge
die Häuser in hellerem Weiß

Berührt mein Land auch ein wenig Asien
sieh, da steht es und ragt

Doch kein Platz im Denken der Fremden
rings nur Trauer und Leid

Die bitteren Hände im Blitz
rufe die alten Freunde

Doch das Blut ist verdampft
zwischen ihnen friedlos

Unvorstellbare Sonne der GERECHTIGKEIT
niemals vergeßt, bitt ich euch

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und du, würdiger Myrtenzweig
niemals mein Land!

auf den Vulkanen Kette der Weingärten
in der Nähe der Meeresbläue!

lehnt mein Land auch leicht an Europa
allein zwischen Äther und Meer!

kein Platz für mein Land in der Liebe der Seinen
und der sengende Lichtstrahl!

strecke ich hinter die Zeit
mit Drohung, Blut und Sinnlosigkeit!

die Ängste zerschlagen wie Stein
die ringenden Winde!

und du, würdiger Myrtenzweig
niemals mein Land!

VIII

 

ICH WANDTE die Augen

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tränenschwer

zum weiten Fenster

Draußen erblickend

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schneeverhüllt

die Bäume der Täler

Sprach ich: Brüder

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auch sie eines Tags

auch sie geschändet

Maskierte knüpfen

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in der Ferne der Tage

den Strick und die Schlingen


Ich biß in den Tag

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doch rann kein Tropfen

grünen Bluts

Ich rief an den Toren

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meine Stimme tönte

vom Leid der Mörder

Im Zentrum der Erde

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der Feuerkern

wie er alles verfinstert

Der Strahl der Sonne

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ein Faden wurde

der Faden des TODES!


O Frauen verzweifelt

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im Gewand der Trauer

Mädchen und Mütter

Am Brunnen gabt ihr

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den Nachtigallen

der Engel zu trinken

Nun gibt auch euch

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Charon zu trinken
aus voller Hand

Den Brunnen hoch

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zieht ihr die Schreie
der rechtlos Gemordeten


So wenig genügt

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das Feuer zur Rache
daß hungert mein Volk

Gottes Getreide

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auf Wagen verladen
geht in die Fremde

In der Öde der Stadt

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bleibt nur die Hand
die mit roten Lettern

schreibt auf die hohen

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Wände der Häuser
FREIHEIT UND BROT

Nachtwind blies

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die Kerzen erloschen
Spätzeit der Seele

Niemand hört mich

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wo ich auch klopfe
ERINNERUNG tötet

Brüder, spricht sie

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dunkle Stunden
bringt die Zeit

Neue Wollust

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der Menschen befleckte
das Herz der Wunder

Ich wandte die Augen

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tränenschwer
zum weiten Fenster

Ich rief an den Toren

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meine Stimme tönte
vom Leid der Mörder

Im Zentrum der Erde

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der Feuerkern
wie er alles verfinstert

Der Strahl der Sonne

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ein Faden wurde

der Faden des TODES!

 

 

10

 

GEPRIESEN SEI die grundlose Träne
die langsam aufgeht in schönen Augen
Jugend, die fühlt, deren Hände sich finden
der Blick zueinander und helles Schweigen

Das Stammeln der Liebe auf rauhen Felsen
Leuchtturm der hochwarf die Trauer der Zeiten
Zikade beharrlich wie nagender Schmerz
Alleinsein wie Wolle in der Kühle des Morgens

Minze des Meineids herb auf den Zähnen
Lippen verschlossen dem lösenden Wort
doch glänzt unter Wimpern ein kurzes "Adio"
dann ist die Welt ein glanzloser Ort

Breit und dröhnend die Orgel der Stürme
Bruchstück der Stimme des Heraklit
das zweite, verborgne Antlitz des Mörders
das kleine Warum und nie eine Antwort

GEPRIESEN die Hand, die endlich zurückkehrt
vom gräßlichen Mord, die für immer begreift
die Welt in Wahrheit, die unvergleichliche
das Jetzt der Welt und die Ewigkeit:

JETZT die wilde Erregung der Myrte    Jetzt die Schreie des Mai
EWIG die scharfe Bewußtseinshelle   unerschöpflich und frei

Jetzt der täuschende Schein und des Schlafes mimisches Spiel
Ewig ewig das Wort und ewig der Kiel

Jetzt der dichte Insektenschwarm, der sich brodelnd ergießt
Ewig der Mysterien Licht, das die Welt überfließt

Jetzt der Erde Begrenzung und der Mächtigen strikte Gewalt
Ewig die Speise der Seele und der fünfte Wesenshalt

Jetzt das Fleckfieber des Monds mit seinen heillosen Malen
Ewig der Milchstrasse Gold und ewig ihr bläuliches Wallen

Jetzt der Völker Vermengung und jetzt ihre dunkle Zahl
Ewig die Säule des RECHTS und ewig des AUGES Strahl

Jetzt der Götter Erniedrigung, des Menschen versinkende Asche
Jetzt ist das Nichts
und ewig die Welt die kleine die GROSSE!