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Tagebuch eines nichtgesehenen April

 

 

Jetzt komm, du rechte Hand,
zeichne auf, was dich dämonisch peinigt,
aber breite darüber

den Silbermantel der Gottesmutter,
der nachts über den einsamen Wassern
des Sumpfes liegt.

 

 

MITTWOCH, 1

IMMERZU KAUEN DIE Pferde schlohweiße Laken, immerzu drängen sie triumphierend ins Drohende.

Eichen, Buchen hörte ich schleifen übers Verdeck der alten Kutsche, in die ich mich geflüchtet hatte, irgendwie wegkommen. Wieder in einem Streifen spielen, einst heimlich gedreht und dann vergilbt, von keinem gesehen.

Schnell bevor die Bilder verblassen. Oder plötzlich stehenbleiben - und der Film, der abgenutzte, reißt.

 

 

MITTWOCH, 1b

DORT SAH ICH gegen Mitternacht die ersten Feuer über dem Flughafen.

Weiter hierher schwarze Leere.

Dann erschien flora mirabilis, aufrecht stehend in ihrem Wagen, und streute Blumen aus riesigem Füllhorn.

Die Opfer krümmten sich, nahmen ihre frühere Haltung ein, als sie noch eins waren mit dem Mutterleib.

Am Stengel der Nacht erzitterte Selene.

 

 

DONNERSTAG, 2

»ARTINI«  ... »Kleopa«  ... »Varnava«  ... welchen Geschlechts wohl diese Landschaft ist, die beerdigt wird? Ich muß das Priestergewand ausziehen, meinen goldenen Harnisch wieder anlegen und mit dem Schwert in der Hand hinaustreten.

Bringt die Kinder weg. Hängt die schwarzen Tücher an die Balkone. Schon rückt Militärmusik heran.

Stillgestanden! Präsentiert das Gewehr!

 

 

DONNERSTAG, 2b

IRGENDWO EIN WEINEN, und der Wind trübt sich hier und da. Sithonia ist versunken, von den Wassern verschlungen.

Schreckliche Geschehnisse, die Gott von mir nimmt, die mein Verstand mir aber immer wieder vorhält.

Etwas Grünes in mir, eher schwärzlich, worauf die Hunde anschlagen.

Und ein Meer, aus weiter Ferne hierher gebracht, noch nach Schwanenei duftend.